💊 Medikamente in der Sexualmedizin

Medikamente bei Erektionsstörungen

Zu den bekanntesten Wirkstoffen gehören die sogenannten PDE-5-Hemmer:

  • Sildenafil
  • Tadalafil
  • Vardenafil
  • Avanafil

Sie fördern bei vorhandener sexueller Erregung die Durchblutung des Penis, erzeugen aber nicht automatisch Lust oder eine Erektion. PDE-5-Hemmer dĂŒrfen insbesondere nicht gemeinsam mit nitrathaltigen Herzmedikamenten eingenommen werden, da der Blutdruck gefĂ€hrlich abfallen kann.

Wenn Tabletten nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden, kann Ă€rztlich auch Alprostadil eingesetzt werden – beispielsweise als Injektion in den Schwellkörper oder, abhĂ€ngig vom verfĂŒgbaren PrĂ€parat, ĂŒber die Harnröhre. Die europĂ€ische urologische Leitlinie bestĂ€tigt die Wirksamkeit von Alprostadil-Injektionen, weist aber auch auf eine relativ hohe Abbruchrate hin.

Medikamente bei vorzeitigem Samenerguss

FĂŒr die Behandlung des vorzeitigen Samenergusses kommen vor allem folgende Wirkstoffe infrage:

  • Dapoxetin zur bedarfsweisen Einnahme
  • Lidocain/Prilocain als örtlich betĂ€ubendes Spray oder PrĂ€parat
  • bestimmte Antidepressiva wie SSRI oder Clomipramin als Ă€rztlich verantwortete Off-Label-Behandlung

Dapoxetin kann die Zeit bis zum Samenerguss verlĂ€ngern und die Kontrolle verbessern. Es ist nicht fĂŒr jeden Patienten geeignet und kann unter anderem Schwindel, Übelkeit oder Kreislaufprobleme verursachen.

Hormone und sexuelle Lust

Eine Behandlung mit Testosteron ist nur bei nachgewiesenem Hormonmangel und entsprechenden Beschwerden sinnvoll. Ein einzelner niedriger Laborwert oder eine vorĂŒbergehende Lustlosigkeit reichen fĂŒr eine Behandlung nicht aus. Vor und wĂ€hrend der Therapie sind Ă€rztliche Untersuchungen und regelmĂ€ĂŸige Kontrollen notwendig.

Bei Frauen nach der Menopause können bei Scheidentrockenheit, SchleimhautverĂ€nderungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr – abhĂ€ngig von der persönlichen Krankengeschichte – folgende Behandlungen erwogen werden:

  • lokale Östrogene, beispielsweise Estriol oder Estradiol
  • Prasteron/DHEA als VaginalzĂ€pfchen
  • Ospemifen als selektiver Östrogenrezeptor-Modulator

Prasteron und Ospemifen sind in der EuropÀischen Union zur Behandlung bestimmter Beschwerden einer vulvovaginalen Atrophie nach der Menopause zugelassen.

Orgasmusstörungen und verminderte Lust

FĂŒr Anorgasmie und viele Formen verminderter sexueller Lust gibt es kein allgemein wirksames Standardmedikament. ZunĂ€chst sollten mögliche Auslöser wie hormonelle VerĂ€nderungen, Erkrankungen, Schmerzen, Stress, Beziehungskonflikte oder Nebenwirkungen bestehender Medikamente abgeklĂ€rt werden.

Ein eigenstĂ€ndiges Absetzen oder VerĂ€ndern verordneter Medikamente sollte unbedingt vermieden werden. HĂ€ufig ist eine Kombination aus Ă€rztlicher AbklĂ€rung, Sexualtherapie, Psychotherapie und gegebenenfalls Paartherapie hilfreicher als eine ausschließlich medikamentöse Behandlung.

Medikamente, die SexualitÀt beeintrÀchtigen können

Sexuelle Funktionsstörungen können auch als Nebenwirkung auftreten. Mögliche Auslöser sind unter anderem:

  • bestimmte Antidepressiva, insbesondere SSRI und SNRI
  • einige Antipsychotika
  • einzelne Blutdruckmedikamente
  • Opioide und beruhigende Medikamente
  • hormonunterdrĂŒckende Behandlungen
  • manche Medikamente gegen Prostatabeschwerden
  • bestimmte Krebsmedikamente

Mögliche Folgen sind Lustverlust, Erektionsstörungen, verzögerter oder ausbleibender Orgasmus, VerÀnderungen des Samenergusses und hormonelle Beschwerden. Die Wirkung ist individuell sehr unterschiedlich.

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